Chiemgau-Trail-Run 2022: Nils Bergmann im Kampf mit Matsch und Schnee


 

 

Am Samstag, dem 7. Mai fand bereits zum fünften Mal der Chiemgau-Trail-Run (CTR) in Marquartstein statt. Nils Bergmann vom Laufteam “The Running Pack” hatte sich für das Elitefeld beworben und startete beim Klassiker des CTR auf der 42 km Distanz. Nach 05:47:11 kam er unter knapp 200 Athlet:innen als 55. ins Ziel.

Im vergangenen Jahr wurde der CTR Teil der Golden Trail World Series sowie der Golden Trail National Series. Die Serie geht 2022 in die zweite Runde. Es wird insgesamt sieben Trailrunning-Events in Deutschland, Österreich und der Schweiz geben und ein gemeinsames Finale mit den Golden Trail World Series auf Madeira. Zu diesem Finale erhalten die schnellsten Läufer:innen der sieben Events eine Einladung. Der Chiemgau-Trail-Run L42 war der Auftakt der Serie. Es folgen der Zerrmatt Marathon, der Zugspitz Ultra Basetrail XL, der Pitz Alpine Glacier Trail, der Sierre Zinal, der Mayrhofen Ulltraks und der Rennsteig Herbstlauf.

Philipp Reiter, einer der Manager der Serie, freut sich auf die diesjährigen Events: “Spannende Rennen, ein starkes Starterfeld, vernünftige Preisgelder und Coverage der Events in den Medien – schon im ersten Jahr hat die Golden Trail National Series unsere Erwartungen übertroffen! Jetzt geht es darum, im zweiten Jahr unser Setup zu optimieren und richtig durchzustarten”

Der Klassiker beim Chiemgau-Trail-Run: die 42 km Distanz

Wie bei solchen Events oft üblich, wurden beim Chiemgau-Trail-Run verschiedene Trail-Distanzen angeboten, und zwar S, M, L und XL: 10 km, 21 km, 42 km und 60 km. Laut Veranstalter ist “der Klassiker beim Chiemgau-Trail-Run die 42 km Distanz”. Marquartstein liegt im Chiemgau etwa zehn Kilometer südlich des Chiemsees im Tal der Tiroler Achen. Das 360 Grad Gipfelpanorama des CTR bietet eine fantastische Aussicht auf den Chiemsee, den “Wilden Kaiser” und sogar bis zum Grossglockner. Auf der Hompage des CTR wird die Strecke so beschrieben:

Gemeinsam starten wir am 07. Mai um 8 Uhr im Zentrum von Marquartstein in die neue Trailrunningsaison 2022. Die gesperrte Bundesstraße wird überquert, die Fußgängerzone (alter Start- und Zielbereich) wird passiert und es geht durch Altmarquartstein, vorbei an der Burg Marquartstein hinauf in den ersten Waldabschnitt. Auf den ersten „flowigen“ Trails lauft ihr dieses Jahr Richtung Vorderalm. Dort erwartet euch die erste Verpflegungsstelle, bevor es hinauf auf den 1.748 Meter hohen Hochgerngipfel geht.

Nach dem knackigen Anstieg erwartet euch dort ein fabulöser Ausblick auf das bayerische Meer (Chiemsee). Nach dem schnellen Downhill, verknüpft mit Forstwegen und technischen Trails/Steige lauft ihr wieder einmal durch Marquartstein. Das Publikum im Start-Zielbereich feuert euch tatkräftig an, ihr sammelt Kraft und Energie für einen weiteren Anstieg auf die Hochplatte. Ihr befindet euch auf der identischen Strecke wie die Läufer der Halbmarathondistanz. Der letzte Anstieg auf die Hochplatte fordert noch einmal volle Konzentration. Oben angekommen wartet erneut ein 360 Grad Rundumblick!

#Schlammschlachtdeluxe, falsche Wege und blutige Hände

Soweit die Ankündigung und die blumigen Beschreibungen im Vorfeld. Die Realität am Tag des Laufs (und zuvor) sah dann etwas anders aus: “Der Wettergott meint es dieses Jahr leider nicht gut mit uns: Dauerregen … wir freuen uns auf eure Schlamm- und Rutschgeschichten im Ziel”, hieß es auf der Instagram-Seite des Chiemgau-Trail-Run. Manche Teilnehmer sprachen von einer #Schlammschlachtdeluxe. Mit anderen Worten: Schon zwei Tage zuvor Regen und eine dementsprechende tiefe Strecke auf der zuvor schon dutzende und mehr Läufer:innen unterwegs waren. 40 % Steigung. Schneefelder, auf denen man nur auf allen Vieren vorwärtskam. Beschlagene Brillen statt 360 Grad Gipfelpanorama.

Unter den besonderen Wetterbedingungen ist die Orientierung nicht leicht. Ein Zuschauer schickt eine Gruppe, mit der auch Nils unterwegs ist, in die falsche Richtung. Nils – im Orientierungslauf geschult – erkennt dennoch den richtigen Weg, aber die Gruppe folgt ihm nicht …

Eine Teilnehmerin fand den Trail: “brutal und großartig”. Ein andrer spricht von einer “epischen Schlacht”. Denn jeder Läufer und jede Läuferin erlebt das Rennen natürlich ganz individuell. 192 Teilnehmer:innen werden 192 verschiedene Geschichten erzählen. Geschichten von kleinen und großen Erfolgen und kleinen und großen Rückschlägen. Aber das gehört zum Traillauf-Sport.

Nils Bergmann beschreibt seinen Lauf auf Instagram selbstironisch so:

“Sich für das Elitefeld bei der Trail National Serie bewerben, sogar angenommen werden, aber dann grandios scheitern.”

Man könnte es natürlich auch so sehen: In solch einem Elitefeld im vorderen Drittel zu landen, ist noch kein wirkliches Scheitern. Sicher, es gibt immer eine Möglichkeit, die Dinge auch positiv zu sehen. Dennoch: Misserfolge – so sagt man – sind Teil des Erfolgsprozesses. Wer Misserfolge meidet oder nicht anerkennt, riskiert den künftigen Erfolg. Jetzt geht es darum, die Erfahrung zu bewerten und Konsequenzen daraus zu ziehen. Nils nach dem Rennen lapidar: “In Zukunft muss ich mir wohl das Streckenprofil etwas genauer ansehen.” Und zudem plant Nils spezielle Trainingseinheiten für technisch besonders anspruchsvolle Strecken. Doch zunächst geht der Blick natürlich nach vorne. Der nächste Lauf ist der GutsMuths-Rennsteiglauf. Ein Halbmarathon auf den sich Nils bereits freut. Sponsor IMMOVATION AG und seine Kollegen vom Laufteam “The Running Pack” drücken ihm die Daumen, dass sich der Rennsteiglauf ohne Schlammparcours bewältigen lässt.

Umwege, Nebel, Stacheldraht und ein Krampf – das Rennen im Schnelldurchlauf

Für den Blog hat Nils wichtige Etappen des Rennens für die Leser im Telegramm-Stil notiert. Nils Schlamm- und Rutschgeschichten. Wir geben sie hier ein zu eins wieder, denn sie vermitteln einen sehr guten Eindruck eines schwierigen Rennens:

km 10: Um Platz 30 herum liegend nach den ersten 800 Höhenmetern, noch läuft es gut.

km 11, 12: Das erste steile Gehstück. Schneematsch. Atmung und Puls viel zu hoch. Das wird heute nicht meine Strecke werden. Brille im Nebel beschlagen, sehe im Downhill nicht, wo ich hintrete, verliere viel Zeit.

km 13: Will mich im Downhill kurz an einem Wegweiser festhalten, sehe nicht, dass dort einmal Stacheldraht drumherum ist. Greife rein: Uncool. Macht auch nicht wirklich schneller.

km 21: Finde mich am Ende der ersten Runde am bereits gelaufenen Anstieg wieder. Kann nicht richtig sein. Gut ein Kilometer Umweg durch das Verlaufen. Weitere 5 Minuten weg.

km 28 – 30: Nichts geht mehr am Steilstück der zweiten Runde. Zieht sich ewig. Streckenverhältnisse werden immer schlechter, ein einziges Rutschen im Schnee und Matsch. Verliere richtig viel Zeit. Nur ein Monat Training für die Grundbasis, ohne viel Höhenmeter und Longruns reichen dann eben doch nicht.

km 32: Wird kalt im Regen. Longsleeve drüber ziehen, macht wieder Zeitverlust.

km 37: Bergab wieder reingefunden. Dann am ersten kleinen Gegenanstieg – gerade am Überholen – Krampf! Gute 2 min Zeitverlust fürs Rausdehnen. Bin der Einzige, der den Anstieg noch läuft, kann ein paar Plätze wieder aufholen.

km 43: Ziel: 55. Platz. Die nächsten Rennen werden definitiv wieder laufbarer.

 

Bildquelle: Chiemgau Trail Run 2022: IMMOVATION AG