Wissen warum - Geschichte wiederholt sich

Irgendwo fiel mal der Satz: Geschichte wiederholt sich nicht. Nun hat sich im Osten das Tor zur Hölle aufgetan und Geschichte wiederholt sich leider doch. 


An dieser Stelle soll nicht darüber philosophiert werden auf welche Art dieser Krieg enden wird, und über welche Autobahn wir nun schwere Waffen in die Ukraine schaffen wollen, oder auch nicht. Ich will nicht darüber debattieren ob Saunen abgeschaltet oder die Heizung gedrosselt werden sollte.

Nur Literaturempfehlung

Nein, dieser Artikel ist der Literatur gewidmet. Was heute geschieht, war absehbar. Wer verstehen will, wie russische Politk funktioniert, muss lesen. Interessant ist es allemal. Und ernüchternd. Denn wie kalt es wird, wenn Putin Erfolg hat, kann man am Gestern gut erkennen.

Hier ein paar Literaturempfehlungen für Zeitgeister die sich für Geschichte interessieren und daran ablesen wollen, was die Folgen der Tyrannei sein werden. Kleiner Erkentnisbonus nach der Lektüre: Die Achse Berlin-Moskau war immer schon gut für eine zünftige Weltkatastrophe.

Antiquarische Bücher

Leider sind fast alle hier empfohlenen Bücher nur noch antiquarisch zu bekommen, z.B. bei Bookooker.de. Doch die Recherche lohnt allemal. Es sind keine deutschen Autoren zu finden. Briten haben, meiner Meinung nach, einen besseren Überblick als wir Deutsche, die wir vielmals dem Russenkitsch nachhängen.

Russlands gescheiterte Revolutionen von Adam B. Ulam

Der Kleister, der Tyrannen auf dem Thron hält

Die russische Politik ist schon immer von Nationalismus geprägt, und zwar von stahlhartem. Nationalismus ist das, was die russische Nation zusammenkittet und was die jeweiligen russichen Tyrannen auf ihrem Thron hielt und hält. Adam B. Ulams Buch "Russlands gescheiterte Revolutionen", zieht eine Linie von den Dekabristen bis zu den sowjetischen Dissidenten. Ich las dieses Buch vor zwei Jahren und hab mich oft genug gefragt, oder der Mann über das heutige Russland schreibt. Der Kampf um politische Freiheit und demokratische Rechte, vom Westen kaum wahrgenommen, hat die russische Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts entscheidend mitgeprägt. Warum waren keine dieser Gruppen oder gar Regierungen je erfolgreich? Adam B. Ulam geht dieser Frage nach. Und er tut dies, als Harvard-Professor für osteuropäische Geschichte, sehr gründlich und verständlich. Leider erschien das Buch schon 1985, aber es ist aktueller denn je. Mich würde interessieren, was der Autor heute denkt.

 


Hitler und Stalin von Allan Bullock

Paralleltyrannei

Sicher, das Buch ist mit 1300 Seiten ein schweres Stück Arbeit. Aber faszinierend geschrieben, und meines Wissens nach die einzige Doppelbiografie der beiden Maximalverbrecher. In diesem Buch finden wir zwei wichtige Parrallelen zu heute. Nämlich was geschieht, wenn ein Tyrann (wie Stalin) einen Krieg gewinnt und seine Macht im Land zementieren kann. Und wie es sich auswirkt, wenn eine andere Macht ihn dabei unterstützt. 

Denn bis zum Einmarsch der Wehrmacht in die Sowjetunion lagen sich beide Mächte in den Armen. Die Deutschen durften auf sowjetischem Boden und mit deren Rohstoffen ihre Luftwaffe aufbauen (unter Umgehung der Versaier Bestimmungen) und die Russen bekamen deutsche Technologie. Klingelt da was? Rohstoffe gegen Ausrüstung? 

Der zweite Weltkrieg wäre anders verlaufen, hätte die Sowjetunion den Polen beigestanden und sie nicht ebenfalls überfallen. Damals Hitler und Stalin, heute Putin und Trump oder Putin und LePen und Orban? Was passiert, wenn die Welt zwei Despoten mit Weltherrschaftsträumen beherbergen muss? Wie wichtig Freiheit und Demokratie sind, kann man sich auf diesen 1300 Seiten einverleiben.


Lenin - Biografie von Robert Service

Wie alles begann

Robert Service ist auch Brite und war Professor für russische Geschichte und Politik an der London University. Der Schlußsatz des Buches: Lenin hat die Welt in eine Sackgasse geführt, und da steckt sie heute noch.

Die Sozialismusnostalgiker werden stöhnen bei diesem Satz. Aber richtig ist er doch. Wen interessiert, wie der ganze Ost-West-Mist anfing, dem sei dieses Buch ans Herz gelegt. Ich hab andere Biografien über Lenin gelesen, aber die hier hat mir am besten gefallen. 

Russland hat einen besondern Mutterboden, auf dem gedeihen Unterdrückung und Terror auf eigene Weise. Und die Bolschewiki, Speerspitze der Ausbeutung neuerer Art, hat nie einen Heel daraus gemacht, das Terror und Krieg für sie legitime Machtinstrumente genau dafür sind. In dieser Tradition standen sie den russischen Autokraten in nichts nach und lieferten den Herrschern der Zukunft eine solide Basis für die Tyrannei von heute. Es begann nicht 1917, aber es wurde damals pseudowissenschaftlich manifestiert und politisch perfektioniert. Eine Tradition wurde gegründet. Und sie hat Bestand, wie man sieht.


Der letzte Tanz - Douglas Smith

Gründlich ausrotten

Mit sogenannten Volksfeinden abzurechnen, war russischen Gewaltherrschern immer ein Herzensanliegen. Wen interessiert, was ukrainische Politiker wie Selensky zu erwarten haben, oder was freiheitsliebende Russen, Georgier, Ukrainer und Weißrussen erwartet, wenn Putin sich durchsetzt, dem sei der Untergang der alten russichen Aristokratie als Beispiel genannt. Dabei geht es hier nicht darum zu bewerten, denn die Ausbeuter vom Morgen haben vielmals nur die Ausbeuter von gestern entfernt. Doch mit welcher Gründlichkeit und Brutalität dies geschah, ist erschütternd. Machen wir uns nichts vor, es wird noch heute so gehandhabt in Russland.

 

Strategie und die Kunst zu Leben - Garry Kasparow

Mein Lieblingsbuch

Bezogen auf die Lage heute, ist in diesem Buch nur das letzte Kapitel. Kasparow hat das Buch schon 2006 geschrieben. Und schon damals warnte er eindringlich vor Putins System. Die Abhängigkeit von Russlands Rohstoffen und die Erpressbarkeit europäischer Politiker hat er damals schon aufgezeigt. Der Mann war nicht umsonst sehr lange Schachweltmeister. Fazit: Man hätte es kommen sehen können.


 

Über Tyrannei - Timophy Snyder

Pflichtlektüre und zweites Lieblingsbuch

Dieses Buch gibts, meines Wissens nach, noch regulär zu kaufen. Snyder hat es unter dem Einfluss der Wahl Donald Trumps geschrieben. Dieses Buch sollte zur Pflichtlektüre werden. Zwanzig wichtige Lektionen. Ich will es hier nicht näher ausführen, kauft es, es ist sein Geld allemal wert!

Eigene Erfahrungen 

Wer ab und zu meine Posts liest, der weiß, dass ich selbst quasi unter russischer Besatzung aufgewachsen bin. Nämlich in der DDR. Vielleicht hängt mein östlich geprägtes Interesse an diesem Fakt. Leider gehen noch heute, gerade im Osten, die alten Geister um. Man nennt das Ostalgie. Ich nenne das Verharmlosung. Ein mir persönlich bekannter und inzwischen verstorbener Zeitzeuge wurde von der Stasi gefoltert. Seinen Bericht darüber habe ich gelesen und kann ihn nie vergessen. Und wer, wie ich selbst, als Zeuge in einem Republikfluchtprozess aussagen musste, der ist jeder Illusion über das ach so heimelige DDR-Plüschsofaleben beraubt. Deshalb ist Snyders Buch für mich die Offenbarung schlechthin, und das schlechte Gewissen obendrein. Denn wie weit bin ich selbst bereit zu gehen, für die Freiheit?

Viel Spaß beim Lesen und nicht unterkriegen lassen

Euer Olaf