Alpe-Adria-Trail - Teil 5 - Singende Fische

Der Zielort unserer heutigen Etappe heißt Dreznica, das spricht man Dreschnitza. Unser Plan heute heißt: Trocken ankommen. Wird wieder mal nicht gelingen. Für das Dörfchen Dreznica aber, und den Weg dorthin, lohnt sich die Regenjacke auf jeden Fall!

Kunst aus Weltkriegsschrott

Idylle und Mahnung


Hinter Bovec wirds zunächsts idyllisch ruhig. Bovec, dieses Zentrum für Wassersport und Paragliding war voller Menschen, um so leerer wird nun der Weg. Doch die Leere täuscht, jeder Schritt poltert über schwere Erde, schwer von Blut. Wir sind noch immer im Bereich der Isonzofront des Ersten Weltkrieges. Verfallene Unterkünfte, in Fels gehauene Höhlen für Schützenstellungen, Erdgruben, verschlossene Eingänge zu Minen. Ganze Berggipfel sprengte man damals in die Luft, samt den darauf befindlichen Truppen.

Der Weg des Friedens - Pot miru

Die Chroniken von was?

Für Liebhaber von Wasserfällen ist diese Etappe ein Muss. Hinter Bovec läßt sich der Virje-Wasserfall bestaunen, 12 Meter hoch und 20 Meter breit. Und ein Stück weiter donnert die Boka zu Tal. Auf nur einem Kilometer Länge rauscht der Fluß 500 Meter in die Tiefe, ein Drittel davon im freien Fall. Das Bovec-Tal genießt längst Kultstatus als Drehort der Disney-Produktion "Die Chroniken von Narnia". Leider bleibt uns wenig Zeit, diese Naturwunder in Ruhe zu bewundern, das nächste Gewitter sitzt uns schon wieder im Nacken.

Boka-Wasserfall aus 2 KM Entfernung gesehen

Singende Fische

Weit vor Kamp Trnovo, einer Siedlung etwa 2 Stunden vor unserem Ziel, hören wir Musikfetzen. Wir sind noch tief im Wald und doch klingen Bruchstücke von einer Art Schlagermusik immer wieder durch. Je näher wir dem Ort kommen, um so lauter wird das Ganze. Das Dörfchen selbst könnte ein Künstler unter die Felsen gemalt haben, so idyllisch fügt es sich in die Landschaft ein. Mehr als Grillenzirpen vermutet man hier nicht. Doch der Lärm wird immer lauter. In der Ortsmitte dann die Quelle dieses Übels: Ein fahrender Fischhändler lockt seine Kundschaft mit Lautsprechern auf seinem Autodach aus dem Häusern. Der Krach ist ohrenbetäubend, Schlagermusik Vollgas. Wie der Mann seine Bestellungen entgegennehmen kann, ist mir ein Rätsel.

Das Gejaule wird uns fast bis Dreznica begleiten, denn der stellt die Musik nie ab, auch während der Fahrt nicht. Vermutlich können die Einwohner der höher gelegenen Dörfer morgens vor der Arbeit so schon hören, dass der Fischhändler zu Feierabend da sein wird. Allerdings könnten bei dem Gejammer auch die Fische verderben. 

 

Bild unten links: Der liegende Indianer (Bergmassiv)

Gewitter, wieder mal

Etwa einen Kilometer vor unserem Ziel wird die Schlagermusik durch das himmlische Schlagzeug abgelöst. Es donnert aus allen Rohren und gießt aus Kübeln. Unsere Pension liegt neben der Kirche, und die haben wir vor Augen. Doch der Weg dahin windet sich in Serpentinen den Berg hoch, dem Gewitter entgegen. So suchen wir Schutz unter einem Scheunendach.

Das Essen im stilechten Gasthaus und ein Traum von einem Sonnenuntergang entschädigen uns jedoch für das Wetterdesaster. 

 

Dreznica

Der nächste Tag ist der letzte auf slowenischem Gebiet. Militärpfade, Blumenwiesen, Wasserfälle.

Bis dahin, Euer Olaf

Leute, lauft und bleibt in Bewegung. Irgendwann dürfen wir wieder raus und dann müssen wir fit sein. Denn Ihr wisst ja: