Alpe-Adria-Trail - Teil 3 - Invasion im Paradies


So muss es aussehen, das Paradies. 

Wie hier oben am Vrisc Pass. Außer vielleicht für jene die das Meer lieben. Oder für die Freunde der Wüste. Für uns siehts genau so aus, wie hier. Wenn wir uns die Camperkarawane wegdenken. Und die Motorradfreunde Stenkelfeld mit ihren liebevoll aufgestickten Totenschädeln auf den Lederwämschen. Vielleicht auch ohne die deutschen Bullis, in Regenbogenfarben lackiert, das VW-Sybol durch Greenpeacelogos ersetzt, deren Rußfahnen jede Feinstaubmessstation lahmlegen würden. Vielleicht ist´s im Paradies einfach auch nur ruhiger. Oder schlechtes Wetter, dann ists sicher leerer. 




Vrsic Pass

Vor 2000 Jahren etwa hat auch Julis Cäsar hier Rast gemacht. Mit seinem eigenen Wohnmobil, 8 TS (Trägerstärken). Und dann hat er wohl hier gestanden, am Vrsic Pass, der damals noch nicht so hieß. Und er schaute in die Alpen, die auch noch keinen ofiziellen Namen hatten. Schön fand ers, und so ganz weit weg von Zuhause wars ja auch nicht. Ein Wochenendausflug mit Kleopatra vielleicht? Also rief er seinen Schreiber und diktierte: "Ich kam, ich sah, ich sagte! Diese Berge sind schön, sie sollen ab heute meinen Namen tragen: Julische Alpen." Die spinnen eben, die Römer!

Das heidnische Mädchen, eine Laune der Natur. Es soll die Zukunft vorhersagen können.

Von Kranjska Gora nach Trenta

Dies ist unsere erste echte Etappe auf dem Alpe-Adria-Trail. Etwa 1000 Höhenmeter und 8 Stunden Gehzeit liegen vor uns, ein Genuß. Denn kurz hinter Kranjska Gora, wenn man die Jasna-Seen passiert hat, beginnt schon der Triglav-Nationalpark. Die Straße, der wir zunächst folgen, führt über den Vrsic Pass nach Trenta, unserem heutigen Ziel.  Einmal mit dem Rennrad hier hoch, denke ich, als wir losgehen. Später sehe ich das anders.


 

Isonzoschlachten

So traumhaft die Bilder auch sind, die Kulisse war im Ersten Weltkrieg eine andere. Entlang unserer Wanderung werden wir immer wieder auf Spuren des ersten Weltkriegs stoßen, und zwar deutliche Spuren. Darum ist eine Wanderung auf dem Alpe-Adria-Trail auch immer ein Ausflug in die Geschichte. Eine Geschichte mit 300.000 Opfern.

Russische Kapelle

Die Straße über den Pass war im Krieg eine wichtige Versorgungsroute. Und für den Straßenbau setzten die Österreicher russische Kriegsgefangene ein. Viele sind umgekommen. Jene, die überlebten, bauten ihren toten Kameraden zu Ehren eine Kapelle. 


Paradies mit Parkplatznot

Auf dem Weg nach oben treffen wir ein Pärchen aus Hamburg, die vor 8 Wochen in Heiligenblut gestartet sind und bis November Zeit haben um nach Triest zu laufen. Ein Traum. Am Vrisc-Pass trennen sich unsere Wege. Sie übernachten auf der Hütte, wir suchen unseren Weg durch die Wohnmobilkarawane und steigen ab in Richtung Trenta. Auf halbem Wege ein Abtecher zur Quelle des Flusses, der uns in den nächsten Tagen ständig begleiten wird. Die Soca, eine Karstquelle tief im Fels, lockt natürlich viel Publikum an. Zumal man mit dem Auto fast bis nach oben gelangen kann. 
 
Die Quelle zu Europas vielleicht schönstem Fluß


An der Soca entlang 

Von nun an begleitet uns das Rauschen und Plätschern des Flusses. Und das ist nichts für schwache Blasen! In Trenta endet unser Weg für heute. Ab morgen laufen wir direkt am Fluß entlang, zwei Tage lang. Und diesen Weg, so viel sei gesagt, muss man einmal im Leben gegangen sein. Auch wenn das tägliche Gewitter einem ab Mittags im Nacken sitzt, so wie uns auf unserer Tour. Es lohnt sich trotzdem.

Im nächsten Beitrag gehts nach Bovec und wir werden unverhofft Eltern, um ans Abendessen zu kommen:) Lasst Euch überraschen, Euer Olaf.

Laufen, laufen, laufen... Denn Ihr wisst ja: