300 KM bis Silvester - KM 1809 - Die fremde Frau

Zwischenfazit: Laufen hilft. Viel laufen hilft viel. Jedenfalls reagierte ich erstaunlich gelassen auf Ausgangssperre und Co.. Bis Silvester will ich die 2000 Laufkilometer für dieses Jahr voll bekommen. Noch 109 Kilometer fehlen von 330, die Anfang Dezember noch fehlten.

Die eigene Erleuchtung :)

Mittwoch, 16. Dezember und Donnerstag, 17. Dezember

Mittwoch gehts mal wieder in den Dreck. Der Wald ruft. Ich gönne mir einen Tageslichtlauf und starte erst um halb acht zu meiner Runde. Donnerstag, 5:30 Uhr. Mit 6 Grad irre warm. Die Stadt schläft noch. Die einzige Chance die Fußgängerzone ohne Maske zu durchlaufen.

Die fremde Frau am Küchentisch

Freitag, 18. Dezember

Heute ist mir was komisches passiert. Ich komme vom Extrem-Sehr-Früh-Sport nach Hause und gehe in die Küche um etwas zu trinken. Ich setze schon das Glas an den Mund, doch plötzlich halte ich inne. Etwas beobachtet mich. Als ich mich umdrehe sitzt da eine Frau am Küchentisch. Eine hübsche dazu, und so ungefähr in meinem Alter. Hat sich´s richtig bequem gemacht, frühstückt und nippt genüsslich an einer Teeschale. Nicht mal Schuhe hat sie an. Wer ist das, und was macht sie in meiner Wohnung? 

Kenn ich die doch?

Da dämmert es mir: Diese schöne Frau hast du vor sechs Jahren mal geheiratet! Vielleicht sollte ich doch weniger laufen und mehr Zeit mit meiner Familie verbringen? Sonst gibts neben Coronakrise auch noch eine Ehekrise.

Die Krise als Chance?

Bei der Gelegenheit bietet sich natürlich immer die Floskel von der Krise als Chance an. Jede Krise sei eine Chance, schallt es heuer wieder aus allen Ecken! Klare Meinung von mir: Völlig falsch! Hab ich beim Laufen Knieschmerzen, welche Chance hab ich dann? Gehen? Jede Krise ist in erster Linie zunächst mal großer Mist!

Rätselhafte Chinesen

Begründet wird die Tatsache, das Krisen immer Chancen sind, oft mit einer total logischen Sache: Die chinesischen Schriftzeichen für Krise und Chance ähneln sich (oder enthalten gleiche Elemente). Das ist landläufig ein oft zitierter Ansatz zur Krisenbewältigung. Natürlich! Das ist die Lösung aller Fragen (Achtung, Ironie!)! Fernöstliche Weisheit eben. Alles jenseits des Himalaja ist ja grundsätzlich mit göttlichem Wissen ausgestattet. Im Russischen übrigens kann man sehr frei ein und das selbe Wort mit Wille und Freiheit ins Deutsche übersetzen. Aber diese Interpretation sagt noch lange nichts über die Bedeutung in der Muttersprache aus.  

Natürlich bieten Krisen Chancen, aber eben nicht für jeden. Im Normalfall profitieren die Starken davon, das ist leider so. Suche Wortpaare die nicht zusammen passen: Einzelhandel und Zwangsschließung, Onlinehandel und Ladenöffnungszeiten... 

Jens Nerkamps Verletzungskrise bietet in erster Line zunächst mal seinen Mitbewerbern eine Chance, und nicht ihm selbst.

Eine Chance bleibt

Wenn etwas anzustreben bleibt, bei all der Angst und Ungewissheit die uns täglich serviert werden, dann doch wohl das, was immer schon galt: Pflege deinen Verstand und denke gründlich nach. Punkt. Meist kommt dann doch was Vernünftiges dabei heraus.

Der Philosoph und römische Kaiser Marc Aurel schrieb einst: "...Fülle deinen Kopf nicht mit Gedanken an all die schlimmen Dinge, die noch passieren können. Konzentriere dich auf die Gegenwart und frage dich, ... wie du sie überleben kannst..."

Als Läufer wissen wir, was zu tun ist: Einen Fuß vor den anderen. Einen Meilenstein nach dem anderen. Gewitter, Schmerzen, Krisen, sie kommen und gehen. Auf Wunder ist kein Verlass, auf Vernunft schon. Tun wir unser Bestes!

Euer Olaf

In dem Sinne: Haltet durch und bleibt in Bewegung, denn: