Unstrut, Saale und Corona - Mit dem Rad durch ein leeres Land - Teil 1


Nasser Start zur Unstruttour

 
Es wurde eine Tour der anderen Art: Völlig leere Radwege und irrwitzige Hygienevorschriften in unterschiedlichster Auslegung. Eine Radtour, bei der wir über lange Strecken niemand ins Gesicht sehen konnten.

Ein Plan vor Corona

Urlaub in Deutschland, mit dem Rad, die Notlösung schlechthin in diesem Jahr. Komischerweise hatten wir das schon vor Jahren geplant und immer wieder aufgeschoben, weil ich schlichtweg keinen Gepäckträger besitze, und kein Rad an das ich einen hätte schrauben können. Nun, das Rad kam im Januar und damit die Chance bis in meine alte Heimat Anhalt zu radeln.

Buchungen möglich?

Kurz nachdem die Gastwirte die Zapfhähne wieder bedienen durften, gings los. Wir hatten die Unterkünfte schon lange vorgebucht, wußten aber bis wenige Tage vor der Reise nicht, ob und wo wir abends unseren Hunger stillen könnten. Zum Glück hatte sich das erledigt, die Gasthöfe in Thüringen waren wieder offen. Maskiert natürlich.

Mit der Bahn nach Silberhausen

Von Kassel bis Silberhausen bummelt man mit dem Schienenbus durch atemberaubende Landschaften. Das ist auch ganz einfach, weil man ohnehin vermummt im Zug sitzt und beim Atmen gehemmt wird. In Silberhausen schieben wir unsere Räder aus der Bahn und werfen die Regenponchos über. Unweit von hier entspringt die Unstrut, und wies aussieht befindet sich die Quelle direkt über uns, es schüttet nämlich herrlich. Nützt aber nichts, wir starten. Samstag wollen wir in Zerbst sein, heute ist Montag. Der Radweg ist herrlich leer, wir sind allein unterwegs, was auch am Wetter liegen mag. 




Mühlhausen

Vor einigen Tagen noch gingen hier Unwetter nieder, der Radweg ist an vielen Stellen noch voller Schlamm und die Unstrut, hier an sich noch ein Bächlein, bricht sich neben uns ihren Weg durch die Landschaft. Und da hat sie sich ein wirklich schönes Stück Deutschland ausgesucht. Wir radeln allein, begegnen bis Mühlhausen niemandem. Der Rückenwind tröstet uns über den Regen hinweg. 

Von Mühlhausen selbst sind wir überrascht, was für ein schönes Städtchen. Und menschenleer. Die Mühlhäuser sitzen Zuhause und warten auf eine virenfreie Zeit. In einem Café kommen wir mit zwei Berlinern ins Gespräch die mit Ihrem Tandem seit zwei Tagen hier festhängen. Die Unwetter haben noch bis gestern die Straßen zu Flüssen geflutet und das sitzen sie hier aus.

Es gibt kein schlechtes Wetter!

Bad Langensalza

Unsere erste Station erreichen wir am späten Nachmittag. Unsere Pensionswirtin orten wir zwischen genervt und gereizt ein, zudem müssen wir jetzt schon bestimmen was wir morgen zum Frühstück essen möchten, und wie viel davon. Ich bin Spontanesser und mache ein langes Gesicht, das der Wirtin wird dadurch auch nicht freundlicher. Wer weiß, welchen Stress sie mit den Behörden auszutragen hatte. Wie soll ich wissen, was mich in 16 Stunden reizt? Wie viele Brötchen ich möchte und welchen Käse? Was Essen angeht hängt mein Lebensfaden ohnehin an den Kochkünsten meiner Frau. Sie plant und ordert, weil sie die mir völlig unverständliche Gabe hat zu wissen, was ihr am kommenden Wochenende schmecken wird. Mir selbst fällt das erst dann ein, wenn ich vorm leeren Kühlschrank stehe. Fürs Frühstück wirds als Vegetarier einigermaßen einfach, wir ordern Käse und Joghurt. 

Freie Fahrt durch Bad Langensalza - Coronaleere

Idylle pur und ein prominenter Verkäufer

Bad Langensalza steht auf unserer Wiederkehrliste ganz oben. Es ist eines dieser verträumten Städtchen die sich herausgeputzt haben als sollten sie vermählt werden. Die Stadt der Rosen wird sie genannt, und das völlig zurecht. An allen Ecken blüht und duftet es. Im Japanischen Garten schlendern oder einfach durch diese filmreife Innenstadt bummeln, was für ein Traum. 

Darüber vergisst man beinahe den komischen Virus, der die Politik zu skurilen Entscheidungen treibt. Warum zum Beispiel darf ich in Bad Langensalza leckeres Eis essen, während meine Lieblingseisdiele in Kassel zusperren muß? 

Interessant wirds dann beim Einkaufen. Ich brauch ein Langarmshirt und schaue mich im örtlichen Intersport um. Keusch verhüllt natürlich. Wie der Verkäufer. Aber der Rest von dessen Gesicht, irgendwie kommt mir das bekannt vor. Und während wir uns unterhalten kommen wir vom Radfahren zum Laufen und von da zum Rennsteiglauf und siehe da,  vor mir steht Marcel Krieghoff.

Rekordhalter beim Rennsteigmarathon

Der junge Mann aus Thüringen hat eine beachtliche Laufkarriere hingelegt und sich weiland beim Kassel-Marathon schön verlaufen, zusammen mit einem Afrikaner. Er ist Rekordhalter beim Rennsteigmarathon und wohl noch immer Mitglied der Berglaufnationalmannschaft, sofern sie diese dem Virus noch nicht geopfert haben. Ich jedenfalls freue mich über die prominente Bedienung und vergesse vor lauter Ehrfurcht ein Foto zu machen. Nun ja, wir wollen ja ohnehin wiederkehren. Dann möglichst ohne Maske.

Weiter gehts mit der nächsten Etappe.


Und nicht vergessen: Gesundheit ist immer noch die beste Versicherung!

Bis zum nächsten Mal, Euer Olaf