Kaukasusabenteuer Teil 12 - Ostfriesen und Menschenfresser

Jedes Volk hat seine Ostfriesen über die es lacht, bei den Georgiern scheint es nicht anders zu sein. Zumindest, wenn man Sosos Witzen und Geschichten folgen darf. Soso Gorgadze, unser Bergführer, führt seine Gruppen durchs Gebirge und hat dabei noch einige Nebenjobs. Kellner, Hilfskoch, Kindermädchen und nicht zuletzt Entertainer.



Soso Gorgadze. Es geht das gerücht, er würde seine Wanderer notfalls auf Händen tragen. Glaubwürdig!

Ostfriesen im Kaukasus 

Wer mit Soso reist bekommt eine Gute-Laune-Garantie. Nach dem Erwachen ertönt aus seinem Zelt lauter Gesang, Soso begrüßt den Tag. Und egal welches Wetter von oben kommt, er stemmt es mit einem Lachen. Unterwegs gibt’s immer mal wieder Witze, und am schönsten lacht er selbst darüber. Die georgischen Ostfriesen sind, glaubt man Soso, die Swanetier, er nennt sie Swanen. Unter seinen Witzen sind einige wirklich kuriose, aber natürlich unterliege ich der Schweigepflicht und werde diese kulturellen Höhepunkte einer Reise hier verschweigen. Wer diese Reise unternehmen will, soll ja auch noch was zu Lachen haben.



Alte Frau auf dem Weg zu ihrem "Laden", einem Ausflusziel im Hochgebirge wo sie Getränke und Essen verkauft

Eine wahre Geschichte

Der ängstliche Japaner 

Aber eine seiner kuriosen Geschichten, eine wahre Geschichte, will ich hier doch erzählen. Die Geschichte von dem verängstigten Japaner. 
Laut Soso begann das Ganze bei olympischen Spielen vor vielen Jahren. Georgische Ringer und Gewichtheber räumten mal wieder Edelmetalle ab und ein Japaner, ob Journalist oder Athlet hab ich vergessen, freundete sich mit einigen Georgiern an und versprach, die Zuhause zu besuchen.
In der Tat traf der Japaner irgendwann im Kaukasus ein. Die Georgier freuten sich sehr und reichten ihn von Familie zu Familie. Dieser kleine und typisch japanisch auftretende Mann, der höflich lächelte und sich verbeugte, der in seiner reinweißen Kleidung neben den oft zwei Köpfe größeren Fleischbergen wie eine Puppe wirkte, war Vegetarier.




Fleisch ist mein Gemüse

Die georgischen Ringer und Gewichtheber aber waren Wiedergeburten des Herkules, sie vertilgten Fleisch in großen Mengen, einiges davon roh, oft sehr stark gesalzen. Sie stemmten hunderte Kilo Eisen in die Höhe oder rissen Bäume aus dem Boden. Männer die Gullideckel werfen und Knoten in Hufeisen binden können.

Natürlich sollte dem Japaner ein besonderes Fest zu Ehren veranstaltet werden, also gab man eines dieser typisch georgischen Festessen.

Wer Eisen beißt muss Fleisch essen

Berge von Fleisch wurden aufgetragen, auch rohes Fleisch, und die Männer griffen zu: Fleisch auf den Teller, den Salzstreuer ordentlich drauf leeren und dann mit dem Messer drüber her. Das Ganze wurde mit kräftigem georgischen Rotwein heruntergespült. Und weiter ging es: Fleisch auf den Teller, ordentlich Salz drauf, rein damit und Rotwein hinterher. 

Der japanische Gast staunte über die Massen die die Männer vertilgten. Doch als er sein Glas ansetzte verschüttete er etwas Rotwein auf seine weiße Hose. Sofort sprangen einige Gewichtheber auf hielten ihn fest und streuten Salz und noch mehr Salz auf sein Bein.

Georgier essen keine Japaner

Den Japaner ergriff das kalte Grauen, denn nach dem Salzen… Er riss sich los und rannte davon, aus dem Saal, aus dem Haus, aus dem Dorf. Die Georgier sahen sich ratlos an.

Man fand ihn irgendwann, zitternd, in einem Versteck verkrochen.
Das Mißverständnis klärte sich auf, Georgier essen keine Japaner.

Glaubt man Soso, hat sich die Geschichte tatsächlich so abgespielt. Aber wie sollte man jemandem nicht glauben, der den Tag mit einem Lied begrüßt?

Wir sehen uns (irgendwann) beim Nordhessencup


Olaf