Kaukasusabenteuer Teil 3 - Mit James Bond ins Kloster



Als Individualreisende in Armenien haben wir uns eine Reiseleiterin gebucht, die am Folgetag in Hotellobby auf uns wartet. Lusine ist keine 40 Jahre alt und, was uns gestern schon in Jerewan bei all den Menschen auffiel: Sehr geschmackvoll gekleidet.



Jerewan Nachtleben 

Wie ein paar Penner

Schon gestern sind wir mit gesenkten Blicken durch die Stadt gelaufen, denn hier sind wirklich gut gekleidete Menschen auf den Straßen unterwegs. Wir stechen krass heraus, denn wir haben natürlich nur unsere Wanderhosen und klobige Schuhe an. Wir wollen zwei Wochen ins Hochgebirge, da ist die Tasche zu klein für modische Klamotten. Während wir unter malerischen Fassaden hin zum Platz der Republik schlendern, nehme ich langsam die Hände aus den Hosentaschen. Das typisch deutsche Herumlatschen mit in den Hosentaschen vergrabenen Pfoten wirkt hier oberpeinlich. Kein Mann, aber auch nicht einer, hat hier die Hände in den Hosentaschen vergraben. Wie von selbst wandern meine Hände immer wieder in die Hosentaschen, und immer wieder ertappe ich mich dabei.


Abends in Jerewan. Fein Ausgehen kein Problem 

Bond, James Bond

Lusine hat ihren Fahrer dabei, und wir werden nun im Privatwagen durchs Land gefahren. Armand, unser Fahrer, ist schlank, schweigsam, höflich, aufmerksam und ein sehr guter Fahrer. Er erinnert ein wenig an den jungen Roger Moore als James Bond, und wer weiß ob seine Qualitäten nicht über die des Fahrens hinausgehen? Wir jedenfalls fühlen uns sehr sicher, insbesondere in den recht individuell zu durchfahrenden Kreisverkehren der Hauptstadt. Der größte ist der am Platz der Republik. Dieser Platz wurde zu Sowjetzeiten gebaut und galt als der schönste Platz der Sowjetunion. Die Sowjetunion gibt’s nicht mehr, der Platz der Republik aber ist immer noch sehr sehenswert und wird nachts durch die berühmten „singenden Fontainen“ zum Spektakel um dessentwillen allein die Reise nach Jerewan lohnt.


Tempel Garni, römisches Relikt und fast noch Originalzustand 

Der Mittelpunkt des Glaubens

Armand fährt uns aus der Stadt heraus, Ziel ist Edschmiadzin, der Sitz des Katholikos, die Mitte der gläubigen Welt aller Armenier. Die armenische Kirche ist weder orthodox noch katholisch, die Armenier haben ihren eigenen Glauben. Und Edschmiadzin ist der Nabel dieser Welt, ein weites Gelände aus Klöstern und Kirchen, die Wegen gesäumt mit unzähligen der berühmten armenischen Kreuzsteine. Alles in Sichtweite des Ararat.


Heute keine Getränke 

Noah

Einst soll die Arche Noah auf dem Gipfel des Ararat gestrandet sein, und der Ararat ist Armeniens verzweifelte Liebe. Vielleicht liegt es an dieser Nähe zum biblischen Berg, dass Armenien das erste Volk der Welt war, welchem das Christentum zur Staatsreligion aufgezwungen wurde. In offizieller Lesart ist freilich von freiwilliger Glaubenserklärung die Rede. Leider nur ist ja die Geschichte der Religionen dieser Welt eine andere.


Die "singenden Fontainen" in Jerewan. Allein dieses Schauspiel lohnt die Reise 

Tausende Jahre Kultur

Mit atheistischen Ideen muß man in Armenien allerdings nicht hausieren gehen. Nach der Befreiung vom sowjetischen Vormund, erlebte der Glaube eine grandiose Wiedergeburt. Armenien ist ein urchristliches Land, untrennbar verbunden mit seiner über 1700 Jahre alten christlichen Kultur. Die Armenier sind stolz darauf und pflegen ihre kirchlichen Relikte mit großem Aufwand. Massentourismus gibt es keinen. Nach Armenien verirren sich deshalb Individualisten oder Teilnehmer christlicher Reiseveranstalter. Der Unterschied zum Nachbarland Georgien ist frappierend: Denn in Jerewan sehen wir keine arabischen Touristen, während Tbilissi voll davon ist.


Wir sehen uns (irgendwann) beim Nordhessencup

Olaf