Wenn das Geld schneller läuft als Du - welche Versicherungen 2017 teurer werden

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Die Versicherungswirtschaft muss nach Vorgaben des Gesetzgebers ihren Rechnungszins auf 0,9 Prozent senken. Das treibt bei Neuabschlüssen in 2017 die Preise hoch. Wo lohnt es sich, noch 2016 zu handeln? Die wichtigsten Versicherungen im Überblick.
Wohngebäudeversicherung: Unabhängig vom Zinssatz wird hier definitiv die Prämie steigen. Gründe: Die Beiträge waren in den letzten Jahren unter Druck viel zu niedrig kalkuliert. Punktuelle Unwetter machen den Versicherern zu schaffen und die Wasserleitungen in unseren Häusern werden immer älter, und damit maroder. Hinzu kommt, dass die Gemeinden die Kanäle abfahren und defekte Abwasserleitungen bis an den Hauptkanal auf Kosten des Hauseigentümers sanieren lassen. Die Schadenquoten liegen quer durch die Branche bei 90 Prozent! Aber Achtung: Bietet Ihnen Ihr Versicherer eine Beitragssenkung an, kontrollieren Sie bitte, ob die Inhalte noch identisch sind. Viele Versicherer wollen das Abwasserleitungsrisiko loswerden und streichen es per Änderungsvorschlag aus den Bedingungen heraus. Den Schaden haben dann Sie selbst!

Berufsunfähigkeitsversicherung: Nach der Privathaftpflichtversicherung der wichtigste Schutz! Die Prämien dürften um mindestens 5 Prozent steigen. Daneben verschlechtern einige Versicherer ihre Bedingungen, bei Nachversicherungsgarantien wird in Zukunft ggf. die Berufsgruppe geprüft. Wer sich heute als Schüler gegen Berufsunfähigkeit versichert, behält diese besonders günstige Berufsgruppe (bei guten Anbietern) auch dann, wenn er oder sie später Schreiner oder Altenpfleger/in wird - und somit kaum mehr bezahlbaren Versicherungsschutz bekäme. In Zukunft prüfen manche Versicherer bei Aufstockung von Altverträgen den tatsächlichen Beruf (Verträge ab 2017). Zudem verschlechtern sich zum Jahreswechsel bei manchen Anbietern die Berufsgruppen, heute gut kalkuierte Berufsgruppen werden dann teurer.

Risikolebensversicherung: Die Rechungszinssenkung führt auch hier zu neuen Kalkulationstabellen der Versicherer. Man rechnet ebenfalls mit ca. 5 Prozent Preisanstieg für Neuverträge ab 2017!

Private Krankenversicherung: Die Niedringzinsphase macht den Krankenversicherern zu schaffen. Zudem drücken Kostensteigerungen im Gesundheitswesen und die Regulierungswut der letzten Jahre die Zahl der Neukunden. Private Krankenvollversicherungen erhöhen bei bestehenden Verträgen Beiträge ab 2017 oft um 30 Prozent und mehr. Ein Wechsel will jedoch gut überlegt sein. Bei der ach so tollen Tarifoptimierung werden nämlich Ihre Altersrückstellungen verbraten!

Private Pflegezusatzversicherungen: Wer für den Pflegefall vorsorgt, hat mehrere Möglichkeiten. Im Wesentlichen haben sich die Pflegerentenversicherung und die Pflegetagegeldversicherung durchgesetzt. Erstere ist auf Grundlage der Lebensversicherung kalkuliert und muss deshalb bei Zinssenkung teurer werden (oder die Leistungen reduzieren). Letztere wird wie eine Krankenversicherung kalkuliert, auch hier schlägt der Niedringzins sich in höheren Beiträgen für Neuverträge nieder.

Lebensversicherung/Rentenversicherung: Die meisten dieser Verträge werden aktuell, und wohl auch ab 2017, als Fondspolicen abgeschlossen. Da spielt der Rechnungszins von 0,9 Prozent doch keine  Rolle, oder?  Je nach Anbieter, landet das angesparte Kapital jedoch zu Rentenbeginn im sogenannten Deckungsstock des Versicherers, also auf dem Konto des Versicherungsunternehmens. Und dort wird es dann mit dem Zinssatz verzinst, der bei Vertragsbeginn galt! Für Verträge ab 2017 also mit 0,9 Prozent.
  
Fazit: Es kommt in Zukunft mehr denn je darauf an, das Richtige zu tun. Nichtstun ist keine Option. Wer einen Marathon laufen will, muss trainieren; egal obs schneit oder regnet. Jeder Läufer weiß:  Am Ende waren es genau diese Trainingseinheiten, die den Erfolg ausgemacht haben. Gute Absicherung wird auch in Zukunft machbar sein, man muss nur genauer hinschauen und logischer entscheiden. Die Zeit der blumigen Produktnamen und der großmäuligen Versprechungen ist endlich vorbei. Hoffen wir, die Versicherer begreifen das auch langsam!

Sportliche Grüße

Olaf