Unterwegs im Kaukasus 5 - Dosenpfand?






Am nächsten Morgen fahren wir mit robusten hochbeinigen Lieferwagen, liebevoll "Eisenschweine" genannt, hoch ins Gebirge. Wir wollen 1000 Höhenmeter steigen bis zu einem verlassenen Eiscamp am Rande eines der Elbrus-Gletscher (von denen es über 50 geben soll). Die Kulisse ist atemberaubend. Umgeben von Gipfeln die vier bis fünftausend Meter hoch in den Himmel ragen, laufen wir in absoluter Stille durch Blumenwiesen.



Sanfter Tourismus?



Schrottplatz Kaukasus

Später wird das Gelände unbequemer, die Aussicht noch schöner. Am Fuße des Gletschers rottet das Eiscamp vor sich hin. Bevor die Seilbahnen gebaut wurden, starteten von hier die Touren auf den Gipfel. Frühere Bergsteiger hinterließen ihre Speisekarte in Form von Konservendosen über Jahre direkt hinter der Hütte, und da rosten die noch heute. Wenn nur jeder Wanderer eine Dose mit ins Tal nehmen würde... Russland und Umweltschutz, das ist ein Thema für sich. Als die russische Armee nach der Wende aus den neuen Bundesländern abzog, war ein Teil der ABM-Kräfte nur damit beschäftigt, deren Müll wegzuräumen. 






Russische Küche


Unsere Bergziele werden täglich höher und der Appetit am Abend steigt mit. Die Hotelküche ist mit drei Frauen besetzt, deren gastronomische Erfahrung uns eher verwirrt. Mit Herz und Fleiß jedoch bügeln sie diese Scharte mühelos aus. Richtig interessant wird es, wenn man in brüchigem Russisch Zufriedenheit mit dem Essen bekundet. Dann blühen die Mädels auf und strahlen. So kommt es allerdings auch schon mal zu Mißverständnissen. Als ich versuche zu erklären, dass meine Frau das allseits beliebte Spiegelei gerne härter gebraten hätte, bekommt die ganze Truppe am nächsten Morgen steinhart gekochte Eier und lange Gesichter. Aber machen wir uns doch nichts vor: Die Frauen sind garantiert mies bezahlt, die Küche spartanisch ausgestattet und über die Arbeitszeiten müssen wir uns keinerlei Spekulationen hingeben. Sie sind sichtlich bemüht sich zu merken, wer Vegetarier und wer Teetrinker ist, wer Haferbrei mag und wer ihn eher meidet. 

Blumen und ...

...Eis. Drei Klimazonen an einem Tag.

Verwirrende Bergführer

Besonders erschwert wird ihre Arbeit durch unseren deutschen Bergführer. Der setzt sich jedes Mal zu Beginn der Mahlzeit auf einen anderen Stuhl. Damit will er die Gruppendynamik etwas auffrischen, so sagt er. An solchen Tagen hat das Personal alle Mühe sich zu orientieren und ich kann beim besten Willen nicht begreifen, was das soll. Beim Bergsteigen nimmt man seinen Platz im Team ein und steht für seine Seilschaft in Verantwortung. Sich gefundene Gruppen zu sprengen heißt nichts anderes, als die Sicherheit der Gruppe zu schwächen. Aber ich bin ja nur ein Sonntagswanderer, vielleicht hat er da ein tieferes Verständnis von solchen Dingen. Am Ende muss er jedoch damit leben, dass er seinen Kaffee zu spät bekommt, oder gar mit Tee eingedeckt wird.




Bis zur nächsten Woche

Olaf


Nächsten Sonntag: So weit die Füße tragen