Unterwegs im Kaukasus 4 - Russisch frühstücken


Es steht ein Pferd auf dem Flur
Wer jemals russische Märchenfilme gesehen hat, weiß: In Russland werden die Häuser aus Baumstämmen zusammengezimmert. Und: In keinem der Filme wird solch ein Blockhaus von innen gezeigt, das wird seine Gründe haben.



Wohnt hier die Hexe Babajaga?

Unser Hotel in Tscheget passt in die Märchenkulisse, denn es ist ein Blockhaushotel, hübsch anzuschauen und idyllisch in einem Kiefernwäldchen gelegen. Der Schornstein des Saunaofens endet genau vor unserem Schlafzimmerfenster und der Fußboden zeigt stärkeres Gefälle, aber wir sind ja ohnehin zum Bergsteigen hier. Im Bad ist der Bodenablauf mit Tesa überklebt und das Klo steht so schief, man tastet instinktiv nach einem Haltegriff. Kleinkram. Die Betten sind bequem, es gibt Strom und jede Menge Ablagemöglichkeiten, das Zimmer ist sehr geräumig. Morgens grasen Pferde rund ums Haus, schneebedeckte Gipfel und ein Wildbach gehören zum Exterieur, was will man mehr?
Schlafen bei offenem Fenster: Nur wenn kein Saunabetrieb

Zum Beispiel Teller fürs Frühstück? Lange Gesichter und der Versuch sich die Scheibe Weißbrot auf einer Serviette mit gefrorener Butter zu beschmieren. Irgendwann kommt der Haferbrei, der uns nun ein täglicher Freund werden muss. Aha, das Weißbrot ist zum Haferbrei gedacht! Nach und nach wandern Plinis und Eier auf den Tisch. Die brotverliebten Deutschen sind da schon satt. Aber wer auf einen 5000er steigen will, der kann auch russisch frühstücken lernen.




Wenn die Rente nicht reicht

Es gibt nichts, was es hier nicht gibt

Ein paar Schritte vom Hotel entfernt: Der Markt, unter uns Rummelplatz genannt. Hier verkaufen Rentner alles was sie entbehren können oder im eigenen Garten gerade geerntet haben. Pullover und Socken werden gestrickt und angepriesen.  Mützen, Kräuter, Kalender. Angeblich bekommt der russische Rentner 60 Euro Rente pro Monat. Da wird ein Nebenverdienst überlebenswichtig. Wie weit sind wir selbst davon entfernt? Gegenüber meines Büros in Melsungen stehen ein Parkscheinautomat und ein öffentlicher Mülleimer. Und erschreckend viele ältere Menschen schauen im Vorbeigehen im Mülleimer nach Pfandflaschen und im Parkscheinautomat nach vergessenem Wechselgeld.

 
Rentnerin vor ihrem Verkaufsstand in Tscheget

Der Berg ruft

Inzwischen jucken uns allen aber die Füße, wir wollen an den Berg. Also starten wir zur ersten Tour. Nach 500 Metern fällt mir ein: Ich hab die Kamera vergessen. Also sprinte ich zum Hotel zurück und habe dabei Glück, dass ich nicht in Ohnmacht falle. Wir sind gestern erst angekommen auf 2100 Meter Höhe, ich bin noch nicht an die Luft gewöhnt und so wird mir im Hotelzimmer schwarz vor Augen.




Einen guten Rutsch ins neue Jahr wünscht

Olaf


Nächste Woche: Dosenpfand im Kaukasus?