Der Maly Strba Maraton in der Slowakei - Teil 1




Wer gerne mal bei außergewöhnlichen Rennen antritt und vor 1000 Kilometer Anreise nicht zurückscheut, dem sei der Maly Strba Maraton in der Slowakei ans Herz gelegt. Schon die Fahrt dahin lohnt. Allerdings: Meinen irrwitzigen Ideen, wie dem Verzicht auf Schokolade, oder, wie in der Slowakei, einem Rennen direkt im Anschluss an eine Hüttentour, sollte man lieber nicht Folge leisten.

Wenn andere fitter sind als du selbst...

Den Floh setzte mir der Bergführer ins Ohr: Mensch, das ist doch nur ein Halbmarathon, den kannst du doch locker mitlaufen. Zu dem Zeitpunkt lagen 5000 Höhenmeter durch die Hohe Tatra hinter mir, 5 Tage mit vollem Rucksack und spartanisch gefülltem Magen. Die Anzeige meines Kohlehydratspeichers blinkte auf Reserve. Aber wollte ich mich lumpen lassen? Vor Fedor Martis, unserem Bergführer auf dieser Tour? Der Mann ist gut 25 Jahre älter als ich, konditionell aber schien mir der Altersunterschied eher umgedreht zu sein. Und dann klopft er mir auf die Schulter und sagt: Olaf, die paar Kilometer, und wo du doch schon mal hier bist...





Der längste Halbmarathon meines Lebens

Beim Anmelden dann die Überraschung: 31 Kilometer und 450 Höhemeter warten auf mich. Das Thermometer beißt sich bei 33 Grad fest, der Asphalt schimmert.
Hinter der Startlinie drängeln sich Polen, Ukrainer, Slowaken, Tschechen, Ungarn und ein Deutscher Läufer, also ich. Nach dem Startschuß geht's durch den Ort, die Hohe Tatra als Panorama zur Seite, herrlich. Die ersten 15 Minuten läufts bei vier Minuten auf den Kilometer richtig locker. Ich nenne das den Rucksackeffekt, nach einer Woche Gepäckschlepperei. Aber dann, so bei Kilometer 4 etwa, laufe ich gegen eine Wand aus Selbstüberschätzung - und zwar volle Pulle.


Durch die Slowakei sollte man nicht rennen, sie ist zu schön

Die Slowakei hat mich überrascht. Wir waren auf der Suche nach einer Hochgebirgstour außerhalb der Alpen aber ohne Flugreise. Das kleinste Hochgebirge der Welt an der Grenze zu Polen, ist ein echter Geheimtipp. Da die An- und Abreise sich etwas strecken, lohnen Zwischenstopps. Auf dem Hinweg z.B. in Görlitz, einer der schönsten Altstädte Deutschlands.


Görlitz, vom polnischen Ufer aus gesehen
Diese versunkene Handelsmetropole strahlt noch heute mondäne Gelassenheit aus. Auf der Rückreise lohnt auf jeden Fall eine Übernachtung in Krakau, deren Kneipen- und Restaurantmeile an Niveau und Stil seinesgleichen sucht.
Die Slowakei selbst, das ist teils Wein, Baguett und Lebensart in gemütlichen Städtchen, aber auch Küche für die Seele, unvergessliches Bier und überwältigendes kulturelles Erbe.

Hochzeitsgesellschaft in Polen

Wieder zum Rennen

Wo wir grad bei Erbe sind: Nach 5 Kilometern im Rennen laufe ich auf dem Zahnfleisch. Die vermaledeite Strecke steigt nahezu bis zum Wendepunkt an, also liegen noch gut 10 Kilometer glühender Asphalt vor mir und über mir. Ich überlege aufzugeben und zurückzugehen. Bis aber mein verdorrtes Hirn diese Variante durchkalkuliert hat, bin ich schon bei Kilometer 8 und da geht es gerade mal kurz bergab. Außerdem lockt bei Kilometer 10 eine Dusche der Feuerwehr. Also weiter. Wenn auch im Bummeltrab und mit weichen Knien und rotem Kopf.


Nächster Teil: Sehenswürdigkeiten und Wendepunkte



Olaf