01.01.17

Zu Fuß über den Balkan - Teil 5

Manchmal holt das Leben den Blogger ein. Schrieb ich im ersten Teil noch über John Wayne, der im Sommer in den albanischen Bergen wie ein Apache lebt; so ist seit Weihnachten klar: Der berühmteste aller Apachen kommt aus Albanien und heißt Nik Xhelilaj. Denn dieser albanische Shootingstar reitet in einer Neuverfilmung als Winnetou über die Leinwand, samt Fransenhemd und Adlerfeder. Und das passt gut, nennen sich doch die Albaner selbst Shqiptari - Söhne des Adlers.

Die Legende erzählt, das ein illyrischer Prinz einst ein Adlerjunges vor einer Schlange rettete. Er forderte daraufhin das Adlerjunge als seinen Besitz ein. Der Adler bat ihn, ihm sein Junges zu überlassen, dafür sollten alle Nachfahren des Prinzen die Eigenschaften eines Adlers erhalten: Mut, Stärke und Tapferkeit.
Die Geschichte dieses Landes ist so kurios, dramatisch und zeitweise absurd, dass es wohl besondere Eigenschaften brauchte und braucht um dort zu überleben. In der Antike von den Römern kolonisiert, später von den Osmanen besetzt, war Albanien stets Brückenkopf zwischen Ost und West. Das Wappentier, der albanische Doppeladler, schaut dehalb in beide Richtungen, nach Rom und Konstantiopel. 
Doch selbst den Osmanen gelang es nie, den völlig unzugänglichen Norden des Landes zu beherrschen. Wer sich nicht beugen wollte, der floh in diese Region. Weswegen noch heute die Städte in den Tälern muslimisch, die Dörfer in den Bergen katholisch sind. 
In Albanien bildete sich nach dem zweiten Weltkrieg eine besondere Art Steinzeitstalinismus heraus, die wohl nur noch mit Nordkorea zu vergleichen ist. 

Das Land wurde mit abertausenden Bunkern gepflastert, eine teure Paranoia in einem ohnehin bettelarmen Land. Nach Ende dieser Phase und einem ersten Geschmack von Freiheit installierten besonders gerissene Geschäftsleute in Albanien ein Schneeballsystem für Geldanlage, das weltweit keinen Vergleich kennt. Mit Hilfe der Politik wurden der Bevölkerung, die ja vom Kapitalismus keine Ahnung hatte, Scheingeldgeschäfte auf jede Art und Weise angedreht. Als das System kollabierte, wurden in wenigen Stunden schätzungsweise 80 Prozent aller Ersparnisse der Bürger verbrannt.


Plünderungen und Unruhen folgten, die Leute stürmten die Kasernen und bewaffneten sich. Es waren genau diese Waffen, die später im Balkankrieg in den Kosovo geschmuggelt wurden um die UCK zu bewaffnen, die kosovarische Befreiungsarmee. 
Die Zukunft des Landes bleibt spannend. Hin und her gerissen zwischen seinen westlichen und seinen östlichen Genen, treibt Albanien zwischen Europa und Orient hin und her. Die Albaner sitzen auf gewaltigen Bodenschätzen, gerade im Norden des Landes. Mal sehen, wer als nächstes mit großen Versprechen in das Land einrückt. Inzwischen setzen die Albaner auf sanften Tourismus und versuchen ihr Image in Europa aufzupolieren. Vielleicht gelingt dies ja einem jungen Mann namens Nik Xhelilaj zumindest in Deutschland, wenn er die beliebteste Figur des meistgelesenen deutschen Schriftstellers ins Fernsehen bringt. Die Deutschen lieben nun mal ihre Winnetou, vielleicht färbt ein wenig dieser Begeisterung auf Albanien ab. Denn Winnetou ist Albaner, zumindest für die Albaner.

Alles Gute fürs neue Jahr wünscht
Olaf 

Nächste Woche: Teil 6 - Die verkaufte Braut

Auch lesen: Teil 1, Teil 2, Teil 3, Teil 4  

 

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