02.06.16

Trailrunning Nordhessen - Dritter Teil - Auf dem Schusterpfad von Melsungen nach Kassel

Freiheitsgefühle
Wenns nach meiner Schwiegermutter ginge, müsste ich das Handy mit in den Wald schleppen; denn ich könnte ja stürzen. Natürlich hat sie Recht, weswegen ich ihren Rat auch in den Wind schlage. Für den Schusterpfad müsste ich ohnehin die Nummer der Bundeswehr einspeichern, denn anders als mit einem Bergepanzer sind manche Stellen dort kaum erreichbar.

Ab dem Parkplatz Wattenbach steigts nochmal ein Stück an. Etwas Obacht ist angebracht, um den Einstieg in den Trail nicht zu verpassen, der im Sommer kaum mehr zu finden ist. Meine liebeste Schusterpfadsaison ist ohnehin der Winter.
Ab hier nun darf man sich doppelt freuen: Es geht fast nur noch leicht bergab und es gibt in der Tat KEINE Fahrspuren mehr. Ich setze die Füße auf einem gewundenen, handbreiten Pfad der nur mit Mühe jungen Buchen und Birken ausweicht. Baumstämme liegen quer, Lichtungen brechen durch und tauchen wieder ab. Was berauscht einen mehr, als volles Rohr einen Waldpfad entlang zu rennen? Ungefähr auf der Hälfte der Strecke darf man sich die Füße nass machen. Hier steht selbst im Hochsommer Wasser. Ein Stück unterhalb gammelten bis vor kurzem die Reste einer Holzbrücke über einen Bachlauf, was die Hessenforst leider durch ein Betonrohr ersetzt hat.
Inzwischen leider zivilisiert durch Beton:(

Es geht auf und ab, der Weg windet sich, ich wusele durch Laub, springe über Wasserrinnen und umgestürzte Bäume. Kondition? Keine Zeit drüber nachzudenken! Klar bin ich aus der Puste, aber vor Freude oder wegen des Tempos? Und dann quere ich ein Feld und weiß, das wars jetzt fast. Bis hier haben mich weiße Kreuze an Baumstämmen geleitet, nun blicke ich auf Kassel hinab und brauche keine Orientierung mehr.
An der Lohfeldener Hütte endet mein Lauf. Von Melsungen sind es, je nach Variante, zwischen 19 und 22 Kilometer. An guten Tagen, also bei schlechtem Wetter, einsame und erholsame Stunden. Herbert Steffny erzählt auf seinem Seminaren gerne: Wenn Laufen als Pille verschreibbar wäre, jeder würde sie schlucken. Touren, wie die auf dem Schusterpfad, einem Trail der Sorgen schlucken kann, dürften dann unter die Kathegorie Wundermedizin fallen.

Am Ende, schon ein ausgetretener Weg


Viel Spaß beim Laufen wünscht

Olaf

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